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Michael Rossié

„Mein Claim ist: „Become who you are“. Wenn wir alle ein bisschen echter werden, ein bisschen mehr über unsere Gefühle reden, ein bisschen mehr über das eigene Erleben sprechen und ein bisschen mehr sagen würden, wenn uns etwas ärgert, dann wäre uns allen geholfen.“

Heute ist Michael Rossié bei uns zu Gast.
Michael ist Redner, Sprechtrainer und ein Profi wenn es um das Thema Rhetorik geht. Erfahre im heutigen Gespräch, was du als Zauberkünstler bei deiner Arbeit auf der Bühne besonders im Bereich der guten Sprache beachten solltest.

Aus dem Gespräch mit Michael

Was einen guten Redner auszeichnet
Ein guter Redner muss dafür sorgen, dass ich um einen Moment vergesse, wo ich bin und was ich tue. Er muss mich wie ein guter Film oder ein gutes Buch in eine andere Welt versetzen und das muss er tun mit etwas, was mir möglicherweise für mein Leben etwas nutzt. Vielleicht nicht unbedingt bei einem Geburtstagsredner, aber er sollte es schaffen, mich zu entführen, in die Welt des Geburtstagskinds, in deren Kindheit, in die Geschehnisse ihres Lebens. Also, ein guter Redner entführt mich, er nimmt mich mit in eine andere Welt, in der ich etwas lerne, in der ich etwas erfahre, in der ich eine Emotion bekomme, wo es spannend wird, wo es lustig wird und mich einen Moment aus meinem Alltag holt.

Worauf es bei einem Speaker ankommt
Der Inhalt ist bei einem Speaker das Wichtigste. Das ist bei einem Zauberer ein bisschen anders, aber bei einem Speaker ist der Inhalt das Wichtigste. Ob du stotterst oder auf der Bühne auf und ab gehst, dass einem ganz schwindelig wird, wenn dein Inhalt stimmt, dann ist auch das in Ordnung. Also, wenn der Zuschauer die Lottozahlen hat und du hast den Lottoschein oder umgekehrt, dann ist alles in Ordnung. Bei einem Speaker ist der Inhalt, also das was du erzählst, das Wichtigste. Und wenn dann noch eine gute Form dazu kommt, super, prima. Aber diese ist nicht unbedingt nötig.

Höre dir hier seine Folge an

Weitere Gedanken von Michael

Zauberkünstler VS. Speaker
Wir können einen Redner ein paar Kunststücke machen lassen. Er kann ein paar Zaubertricks in seine Rede streuen. Was ist denn der Kern der Rede? Die Tricks sind ja nur die Garnitur für obendrauf, da muss ja auch irgendetwas unten drunter sein. Er kann mir erklären, warum wir bei Zaubertricks auf die falschen Dinge achten, er kann mir über Täuschung etwas erzählen, er kann mir über schwarze Rhetorik etwas erzählen, aber er braucht einen Kern und die Tricks sind dann Beiwerk. Wenn der Auftritt nur aus den Tricks besteht, dann hat es keinen Lerneffekt und dann ist er kein Speaker. Von einem Speaker sollte man etwas lernen können. Von einem Zauberkünstler muss man nichts lernen.

Das Publikum niemals aufgeben
Ein guter Zauberkünstler gibt sein Publikum nie auf. Es gibt 1000 Gründe warum die ruhiger sind. Es gibt 1000 Gründe wieso die den ersten Kartentrick nicht mögen. Es gibt 1000 Gründe warum die nicht so begeistert sind. Aber ich gebe nicht auf. Ich kämpfe bis zur letzten Minute und das zeichnet den Profi aus. Wenn ich sie 30 Minuten nicht gekriegt habe, dann kriege ich sie eben in der 31. Minute. Aber ich kriege sie, ich gebe nicht auf. Und das, was mir ganz wichtig ist, dass man nicht einfach sagt: „Na ja, die sind heute blöd, kann ich nichts dafür.“ Der Zuschauer ist NIE Schuld, es ist immer der Zauberer! Ich bin immer der Schuldige, wenn die sich nicht gut unterhalten, ich darf das nie auf jemand anderen schieben.

Michaels Top 3

Ratschlag:
Ich habe eine Schauspielausbildung gemacht. Bei dieser Schauspielausbildung habe ich am Anfang noch nicht begriffen, wie wichtig mir das sein würde, auf meinem weiteren beruflichen Lebensweg. Ich habe bei dieser Schauspielausbildung meinen Lehrern das Wissen aus den Ohren gezogen und da bin ich heute noch sehr sehr dankbar für.

Buch, Webseite:
Also, ich lese 3 Bücher die Woche. Aktuell empfehle ich das Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit*“ und „Homo Deus*“ von Yuval Noah Harari. „Die Psychologie des Überzeugens*“, von Robert B. Cialdini muss man gelesen haben, wenn man Preise macht auch als Zauberer. Und wer sich mit Kommunikation beschäftigt, empfehle ich Marshall Rosenberg*. Er ist manchmal ein bisschen süßlich, aber was der über Kommunikation schreibt, ist deutlich anders als die anderen, die das machen. Und ja, ich habe auch zwei oder drei Bücher geschrieben, über freies Sprechen, über lesen, über vorlesen, über Redeanfänge*. Also Bücher sollten für jemanden, der vielleicht sogar in Richtung Speaker irgendwann geht, zum täglichen Brot und zum täglichen Futter gehören.

Schlusswort:
Ich finde zaubern ist etwas Tolles. Wer länger dabei bleibt, der macht das nicht einfach so, der hat ein Gen, der hat eine Ader. Wir wollen gar nicht lange nachforschen, warum er das tut, ob er sich gerne in den Mittelpunkt stellt oder ob er gerne etwas bewegen möchte oder ob er gerne irgendwann mal Schlagersänger werden will. Aber ich kann nur jeden ermutigen, dieses Zaubern zu lernen, zu vervollkommnen. Alles, was man auf diesem Weg lernt, wird einem in jedem Beruf, egal welchen man später ausübt, von Nutzen sein. Deswegen ruhig weitermachen mit der Zauberei, es lohnt sich.

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